1. April 2025

KI-Kompetenz als Future Skill

KI ist kein Zauberstab, aber ein mächtiges Werkzeug. Damit ihr volles Potenzial ausgeschöpft werden kann, braucht es mehr als nur Technologie: kontextbasiertes Prompting, gesunder Menschenverstand und kritisches Denken. Diese Fähigkeiten sollten zum Pflichtfach in Unternehmen werden. Denn nur wer sie beherrscht, kann das volle Potenzial von KI, Automatisierung und agentischen Systemen wirklich ausschöpfen. Gleichzeitig bleiben Cybersecurity, Datenschutz und ein wachsames Mindset zentrale Grundlagen im digitalen Alltag.

In der heutigen digitalen Ära, in der Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist es unerlässlich, dass Unternehmen und ihre Mitarbeitenden sich auf die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten vorbereiten. Ein zentraler Aspekt dieser Vorbereitung ist das kontextbasierte KI-Anwenden und Prompting, das in Kombination mit gesundem Menschenverstand und kritischem Denken als Pflichtfach betrachtet werden sollte.

 

Die Bedeutung des kontextbasierten Promptings und Umgang mit KI

Kontextbasiertes KI-Anwenden und Prompting bezieht sich auf die Fähigkeit, KI-Systeme und -Tools so zu nutzen, dass sie relevante und präzise Ergebnisse liefern. Dies erfordert ein tiefes Verständnis des Kontexts, in dem die KI eingesetzt wird, sowie die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Daten zu verwenden. In der Praxis bedeutet dies, dass Mitarbeitende in der Lage sein müssen, die spezifischen Anforderungen, Prozesse und Ziele ihrer Organisation zu verstehen und diese Informationen in ihre Interaktionen mit KI-Systemen einzubringen.

Ein Beispiel für die Bedeutung des kontextbasierten KI-Anwenden und Promptings findet sich in der Integration von KI in Microsoft 365. Hier können Tools wie Microsoft Copilot, Teams und Power BI genutzt werden, um die Effizienz, Entscheidungsgrundlage und letztlich die Entscheidungsfindung zu verbessern. Dies erfordert jedoch, dass die Benutzer:innen die richtigen Fragen nötigenfalls mehrmals stellen und die richtigen kontextpassenden Daten verwenden, um die gewünschten Ergebnisse mit bei Bedarf mehreren Iterationen zu erzielen.

 

Lebenslanges Lernen, Anpassungsfähgikeit und Analogie zur Königin «Ente»

Der Umgang und die Interaktion mit KI werden bald genauso wichtig sein wie das Lernen von Sprechen, Schreiben und Lesen. Diese Fähigkeiten sollten als Pflichtfach und wichtige Disziplin im lebenslangen Lernen betrachtet werden. Humorvoll betrachtet bringt der Umgang mit KI und speziell mit KI-Agenten den Menschen näher an den «König des Tierreichs», die Ente. Diese Ente kann schwimmen, tauchen und sogar eben auch fliegen. Zudem hat die Ente eine sehr grosse Anpassungsfähigkeit und kann sich zurechtfinden in Bächen, (Daten-)Flüssen, Teichen, Seen und mitunter auch (Daten-)Meeren. Vielleicht kann der Mensch mit solchen mächtigen Tools (toolset) und Fähigkeiten (skillset) zumindest in Gedanken und im Mindset künftig ebenfalls eher «abheben» und «fliegen im Technologie-Universum» in zunehmend (ag)entischer Arbeitsmethodik.

 

Gesunder Menschenverstand und kritisches Denken

Neben dem kontextbasierten Prompting sind gesunder Menschenverstand und kritisches Denken entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von KI. Gesunder Menschenverstand hilft dabei, die Ergebnisse von KI-Systemen zu interpretieren und zu bewerten, während kritisches Denken es ermöglicht, die zugrunde liegenden Annahmen und Daten zu hinterfragen. Dies ist besonders wichtig, da die technische Grundlage des Deep Learning die Transparenz erschwert und daher eine sorgfältige Bewertung der Ergebnisse durch Anwender:innen erfordert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Fähigkeit, kontextuelle Faktoren zu berücksichtigen, wie die Umsetzbarkeit der Ergebnisse. Dies erfordert ein tiefes Verständnis der spezifischen Anforderungen, Prozesse und Ziele der Organisation sowie die Fähigkeit, diese strukturierten Informationen in die Interaktionen mit KI-Systemen einzubringen.

 

Die Rolle der Ausbildung und Schulung

Um sicherzustellen, dass Mitarbeitende in der Lage sind, kontextbasiertes Prompting, gesunden Menschenverstand und kritisches Denken effektiv zu nutzen, ist eine umfassende Ausbildung und Schulung erforderlich. Dies umfasst sowohl technische Schulungen zur Nutzung von KI-Tools als auch Schulungen zur Entwicklung von kritischem Denken und Problemlösungsfähigkeiten.

Ein Beispiel für eine solche Schulung ist das Digital-DNA-Programm, das darauf abzielt, die digitale und technologische Kompetenz der Mitarbeitenden zu fördern und gleichzeitig ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation und Resilienz zu stärken. Durch die Kombination von technischer Ausbildung und der Entwicklung von Soft Skills können Mitarbeitende besser auf die Herausforderungen und Möglichkeiten der digitalen Transformation und KI-Readiness vorbereitet werden.

 

Vorbereitung auf die dynamische, agentische Weiterentwicklung der KI

Der Umgang mit KI-Tools und kontextbasiertem Prompting ist nicht nur für die aktuellen Anforderungen relevant, sondern auch eine wichtige Vorbereitung auf die sehr hohe Dynamik und die weiteren massiven technologischen Weiterentwicklungen der KI. Besonders in den Bereichen der „agentischen KI“ und „vernetzten Agenten“ wird erwartet, dass diese Technologien künftig gewisse Schritte und Interaktionen halb-autonom oder voll-autonom übernehmen können.

Agentische KI nutzt die kollektive Intelligenz mehrerer Agenten, um Entscheidungsprozesse zu automatisieren und die Effizienz zu steigern. Diese Agenten und neuen KI-Tools können komplexe Aufgaben zugunsten der Endresultate bei Bedarf in mehreren, gar getrennten Schritten aufteilen («chain of thought») und «schlussfolgernd» («reasoning») erledigen, wie z.B. Reiseplanungen oder die Interaktion mit anderen Agenten von verschiedenen Applikationen oder Portalen. Die Fähigkeit dieser Agenten und KI-Tools, autonom zu lernen, bei Bedarf «kritisch rückzufragen»,  sich anzupassen und Entscheidungen zu treffen, wird die Art und Weise, wie Unternehmen arbeiten und Entscheidungen treffen, revolutionieren. Auch werden dadurch Anwendungen durch die eigene Belegschaft oder interne Know-how-Träger:innen entwickelt, die auf «low code» oder «no code» basieren, und somit weitere Fortschritte erzielt.

 

Fortwährende Hausaufgaben in Cybersecurity verbleiben

Neben den neuen Herausforderungen und Möglichkeiten, die KI mit sich bringt, gibt es auch ältere Hausaufgaben, die weiterhin von grosser Bedeutung sind. Besonders im Bereich von Cybersecurity, des Zero Trust Prinzips, des Datenschutzes und der Datensicherheit ist es entscheidend, dass man kritisch und hochsensibilisiert bleibt. Dies umfasst die fortwährende Cybersecurity-Sensibilisierung und das kritische Denken, die helfen, nicht in eine gefährliche Systemgläubigkeit zu verfallen und sich von falschen Promptausgaben oder gar Desinformation und «Deep Fake» täuschen zu lassen.

Das Zero-Trust-Prinzip besagt, dass Anwender:innen, Systemen, Ausgaben und Resultaten niemals automatisch vertraut werden sollte, und ist ein zentraler Bestandteil moderner Cybersecurity-Strategien. Es erfordert eine kontinuierliche Überprüfung und Validierung aller Zugriffe, Rechte und Ausgaben, um sicherzustellen, dass nur autorisierte Benutzer:innen und Geräte Zugriff auf sensible Daten und Systeme haben. Datenschutz und Datensicherheit bleiben ebenfalls von höchster Priorität, da die Bedrohungen durch Cyberangriffe und Datenverletzungen ständig zunehmen.

 

Offen im Geist, Kritisch im Denken, Intelligent im Agieren: Pflichtfach für die Zukunft

In einer Welt, in der KI und Automatisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist es unerlässlich, dass Unternehmen und ihre Mitarbeitenden sich auf die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten vorbereiten. Kontextbasiertes Prompting, Umgang mit KI, gesunder Menschenverstand und kritisches Denken sind dabei zentrale Fähigkeiten, die als Pflichtfach betrachtet werden sollten. Durch umfassende Ausbildung und Schulung können Mitarbeitende in die Lage versetzt werden, diese Fähigkeiten effektiv zu nutzen und so die Effizienz und Entscheidungsfindung in ihrer Organisation zu verbessern. Zudem ist der Umgang mit KI-Tools und kontextbasiertem Prompting eine wichtige Vorbereitung auf die dynamische Entwicklung der KI, insbesondere in den Bereichen der agentischen KI und vernetzten Agenten, die künftig eine immer grössere Rolle spielen werden. Gleichzeitig dürfen die älteren Hausaufgaben im Bereich der Cybersecurity, des Zero-Trust-Prinzips, des Datenschutzes und der Datensicherheit nicht vernachlässigt werden. Kritisches Denken und fortwährende Sensibilisierung sind entscheidend, um nicht in eine gefährliche Systemgläubigkeit zu verfallen und die Sicherheit der Organisation oder Integrität relevanten Entscheidungsgrundlagen zu gefährden.

 

Zum Autor

Fridel Rickenbacher ist ehemaliger Mitgründer, Co-CEO, Partner, Verwaltungsrat und nun beteiligter «Unternehmer im Unternehmen»/«Senior Consultant» bei der Swiss IT Security AG/Swiss IT Security Group. Auf Bundesebene ist er als Experte und Akteur vertreten bei «Digital Dialog Schweiz» + «Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken NCS». Er ist in seiner Mission «sh@re to evolve» seit Jahren als Redaktionsmitglied, Experten-Gruppen- und Verbands-Aktivist tätig bei z. B. SwissICT, s-i.ch, isss.ch, isaca.ch, bauen-digital.ch rund um Digitalisierung, Engineering, Clouds, ICT-Architektur, Security, Privacy, Datenschutz, Audit, Compliance, Controlling, Information Ethics, in entsprechenden Gesetzes-Vernehmlassungen und auch in Aus- und Weiterbildung (CAS, eidg. dipl.).

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